Digitale Anamnese in der Praxis: Vorteile, Ablauf & Checkliste (2026)

Digitale Anamnese heißt nicht „noch ein Tool“, sondern: Patient:innen geben wichtige Angaben strukturiert ab - bevor du ins Gespräch gehst. Das spart dir im Alltag Zeit, reduziert Rückfragen und sorgt dafür, dass du bei der Behandlung schneller auf den Punkt kommst. Gleichzeitig musst du es so einführen, dass es für dein Team und für Patient:innen wirklich funktioniert.
Stand: Februar 2026
Grundlagen

Was ist digitale Anamnese – und was nicht?

Bei der Anamnese sammelst du Informationen wie Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien oder relevante Lebensumstände. Klassisch passiert das am Empfang mit Papierbogen oder im Gespräch.
Digitale Anamnese bedeutet: Diese Angaben werden über ein Online-Formular erfasst:
  • vor dem Termin (zu Hause am Handy) oder
  • in der Praxis (Tablet / Empfang)
und landen anschließend strukturiert dort, wo du sie brauchst (z. B. in der Patientendokumentation).
Wichtig: Digital ersetzt nicht dein Gespräch - es macht es besser, weil du vorbereitet bist.

Die wichtigsten Vorteile für deine Praxis

Digitale Anamnese bietet zahlreiche Vorteile, die den Praxisalltag erheblich erleichtern und die Patientenversorgung verbessern. Von der effizienteren Terminvorbereitung bis zur erhöhten Datenqualität – die Umstellung lohnt sich.

Weniger Unterbrechungen und weniger „Zettelchaos“

Papier bedeutet drucken, austeilen, einsammeln, abtippen, abheften - und im Zweifel suchen. Digital ist der Prozess klarer: einmal erfassen, dann weiterverarbeiten.

Bessere Datenqualität (weniger Lücken, weniger Missverständnisse)

Viele Patient:innen füllen einen Bogen zu Hause ruhiger aus als im Wartezimmer. Du bekommst dadurch oft vollständigere Angaben und weniger „weiß ich gerade nicht“.

Schnellerer Terminstart

Wenn Kerninfos schon vorliegen, startet der Termin weniger mit „Basisverwaltung“ und mehr mit dem, wofür du eigentlich da bist.

Standardisierung: gleiche Qualität – auch wenn’s stressig wird

Ein digitales Formular stellt sicher, dass bestimmte Fragen immer gestellt werden (z. B. Allergien, Kontraindikationen, Einwilligungen). Das hilft besonders, wenn mehrere Personen im Team aufnehmen.

Bessere Vorbereitung bei Neupatient:innen

Gerade bei Erstterminen (Psychotherapie, Osteopathie, Ästhetik, Heilpraktik) ist die Anamnese oft umfangreich. Wenn du sie vorab bekommst, kannst du den Termin sinnvoller strukturieren.

Vorteile für Patient:innen (und warum das dein Leben leichter macht)

Flexibilität

Ausfüllen, wann es passt – nicht nur zu deinen Öffnungszeiten.

Weniger Wartezeit

Weniger Formularkram am Empfang.

Mehr Klarheit

Viele fühlen sich sicherer, wenn sie Angaben in Ruhe machen können.

So sieht ein praxistauglicher Ablauf aus (3 Varianten)

Die digitale Anamnese lässt sich flexibel an verschiedene Praxissituationen anpassen, um den Ablauf so effizient wie möglich zu gestalten. Hier sind drei bewährte Varianten.

Variante A: Vor dem Termin (ideal für Ersttermine)

  1. Termin wird gebucht
  2. Patient:in erhält automatisch einen Link zum Anamnesebogen
  3. Angaben sind vor dem Termin da
  4. Du gehst vorbereitet ins Gespräch

Variante B: In der Praxis per Tablet (gut für Laufkundschaft / spontane Termine)

  1. Empfang gibt Tablet raus
  2. Patient:in füllt aus
  3. Daten sind sofort verfügbar

Variante C: Über ein Patientenportal (ideal für wiederkehrende Updates)

Patient:innen aktualisieren bei Bedarf Angaben (Medikamente, Vorerkrankungen, Adressdaten). Du arbeitest immer mit dem aktuellen Stand.

Datenschutz: worauf du praktisch achten solltest (ohne Juristendeutsch)

Du arbeitest mit Gesundheitsdaten – das ist sensibel. Deshalb solltest du bei digitaler Anamnese auf ein paar Basics achten:

Zugriffsregelung

Zugriffe im Team klar regeln: Wer darf was sehen bzw. bearbeiten?

Einwilligungen

Saubere Patienten-Einwilligungen (z. B. für digitale Kommunikation, falls du über Portal/E-Mail arbeitest).

Sichere Kommunikation

Daten nicht „wild“ per unverschlüsselter Mail hin- und herschicken.

Auftragsverarbeitung

Auftragsverarbeitung & Hosting prüfen (bei SaaS-Anbietern üblich, aber du willst es schriftlich).
Fazit

Datenschutz ist entscheidend

Sensible Gesundheitsdaten erfordern besondere Sorgfalt und klare Regeln.

Checkliste: Digitale Anamnese in 7 Schritten einführen

Die Einführung der digitalen Anamnese muss nicht kompliziert sein. Mit dieser Checkliste gelingt dir der Start reibungslos und effizient.
Schritt 01

Ziel festlegen

Ersttermine? Alle Termine? Nur bestimmte Leistungen?
Schritt 02

Formular schlank starten

Lieber 15 gute Fragen als 60, die niemand fertig ausfüllt.
Schritt 03

Pflichtfelder bewusst wählen

Allergien/Medikamente ja, „nice to have“ optional.
Schritt 04

Team-Workflow definieren

Wer prüft die Angaben? Wo landen sie?
Schritt 05

Patienten-Kommunikation vorbereiten

Kurze Erklärung + „Dauer: ca. 3-5 Minuten“.
Schritt 06

Pilotphase (2 Wochen)

Nur ein Termintyp, dann auswerten.
Schritt 07

Nachschärfen

Fehlende Fragen ergänzen, unklare Formulierungen vereinfachen.

FAQ zur digitalen Anamnese

Wie lang sollte ein digitaler Anamnesebogen sein?
So kurz wie möglich, so vollständig wie nötig. Für den Start sind 3-5 Minuten Ausfüllzeit ein guter Richtwert.
Machen ältere Patient:innen da mit?
Viele ja - wenn du eine Alternative anbietest (Tablet in der Praxis oder Papier als Ausnahme) und es klar erklärst.
Was ist besser: vorab oder in der Praxis?
Vorab ist meist effizienter. In der Praxis ist gut als Backup oder für spontane Termine.
Welche Inhalte gehören fast immer rein?
Beschwerden/Anliegen, relevante Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, ggf. Risiken/Kontraindikationen, Kontaktdaten.
Reduziert digitale Anamnese wirklich Rückfragen?
Ja - vor allem, wenn du Pflichtfelder klug setzt und Antwortoptionen anbietest (z. B. Auswahlfelder statt Freitext, wo es Sinn macht).
Ist die digitale Anamnese DSGVO-konform?
Ja, bei der Wahl eines seriösen Anbieters und der Beachtung der genannten Datenschutzbasics ist die digitale Anamnese DSGVO-konform.

Kurzfazit

Digitale Anamnese ist einer der schnellsten Hebel, um Aufnahme und Dokumentation ruhiger, strukturierter und zeitsparender zu machen. Wenn du schlank startest und den Ablauf im Team klar regelst, ist die Einführung meist erstaunlich unkompliziert.

Nächster Schritt

Wenn du digitale Anamnese schlank einführen willst, starte mit einem kurzen Formular für einen einzigen Termintyp und teste zwei Wochen. Danach weißt du genau, welche Fragen wirklich helfen. Mehr dazu findest du in der Funktion Patientenportal.
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